Typen im Verband – Von Glut und Gelassenheit: Ingo Hauschulte und das Pfeifelangsamrauchen

Fabian Diehr im Gespräch mit Ingo Hauschulte

Langsamrauchen ist eine Wettbewerbsdisziplin: Der Weltrekord liegt bei 3 Stunden, 33 Minuten und 6 Sekunden
für eine Pfeife. Mit zweieinhalb Stunden weniger ist man jedoch schon meisterhaft unterwegs: Ingo Hauschultes persönlicher Rekord beträgt eine Stunde und fünfzehn Minuten. «Es hängt natürlich auch vom Tabak ab, wie einfach oder schwierig es ist, eine bestimmte Zeit zu erzielen», erklärt der Werkzeugmacher. Ein ganz persönliches Ziel hat er jedoch noch: seinen Pfeifenclub-Kollegen Uli zu schlagen. Denn der wurde schon mehrfach deutscher Meister.

Wie raucht man eine Pfeife langsam?
Wenn es da einen bestimmten Trick gäbe, wäre ich längst Weltmeister. Es hat bestimmt jeder seine eigene Technik. Wie genau man die Sache angeht, hängt auch immer von der Beschaffenheit des Tabaks ab, also wie feucht dieser ist. Es kommt am Anfang auch darauf an, die Pfeife richtig zu stopfen: Stopft man zu locker, springt der Funke womöglich nicht zwischen den einzelnen Tabakfasern über. Stopft man zu fest, wird womöglich die Glut erstickt. Und wenn die Pfeife dann brennt, muss man den richtigen Takt finden, um daran zu ziehen. Zieht man zu häufig, brennt sie zu schnell ab. Zieht man zu wenig, geht sie vorzeitig aus. Ich achte auf jeden Fall immer darauf, langsam zu ziehen und nicht zu fest.

Wie läuft eine Meisterschaft ab?
Eine Meisterschaft wird in der Regel von einem bestimmten Verein ausgerichtet, der dann beispielsweise die Tabaksorte bestimmt. Die ersten 10 Minuten im Wettbewerb darf auch nicht getrunken werden, damit der Tabak beim Rauchen nicht feuchter wird als vorgeschrieben. Es gibt eine Startgebühr, dafür erhält man dann aber auch das gesamte Material einschließlich der Pfeife. Wettkampfpfeifen werden von den großen Herstellern meist gesponsert. Die bekommt man dann auch erst zum Wettkampf ausgehändigt. Bei einer Weltmeisterschaft kann die Gebühr schon einmal 70 Euro betragen – dafür sind die Pfeifen aber auch entsprechend hochwertig und würden im Laden 150 bis 200 Euro kosten. Dazu gibt es Stopfer, Tabak und zwei Zündhölzer inklusive Reibefläche.

Und wenn diese beiden Hölzchen brechen, ist Schluss?
Das ist so. Natürlich hat man am Anfang die Möglichkeit, sie zu inspizieren, ob sie vielleicht angeknackst sind, dann gibt es neue. Ob man dann ein Zündholz oder zwei zum Entzünden benutzen möchte, ob man sofort anzündet oder kurz vor Ablauf der Frist, ist jedem selbst überlassen. Genau eine Minute hat man dafür Zeit.

Wie oft kommt es vor, dass bereits das Anzünden scheitert?
Das habe ich tatsächlich noch nicht erlebt. Obwohl der Prozess des Anzündens nicht trivial ist: Ich zünde erst mit dem einen Streichholz an, was den Tabak etwas aufquellen lässt, dann stopfe ich nach und zünde die Pfeife noch mal mit dem zweiten Streichholz an. Was aber durchaus öfter vorkommt, ist, dass wenige Minuten nach dem Start schon die ersten Pfeifen wieder aus sind.

Wie wird festgestellt, dass die Pfeifen aus sind?
In der Regel geben die Leute das schon von sich aus zu und die Schiedsrichter kontrollieren noch einmal. Hat ein Schiedsrichter den Verdacht, dass eine Pfeife gar nicht mehr an ist, wird er die entsprechende Person auffordern, Rauchzeichen zu geben – also an der Pfeife zu ziehen –, oder sich die Glut zeigen lassen. 

Wie wird man in eurem Sport Schiedsrichter? Gibt’s da Neulingskurse wie beim Fußball?
Beim Raucher-Schiri muss man keine besonderen Vorkenntnisse haben und die Regeln hat man in 10 Minuten verinnerlicht. Als wir ein Turnier ausgerichtet haben, haben wir einfach beim örtlichen Schützenverein nachgefragt. Der Wettbewerb fand natürlich in der Dorfkneipe statt und den Unparteiischen wurde während ihres Einsatzes Freibier angeboten. Da kamen schnell 10 Freiwillige zusammen. Bei einer Meisterschaft sitzen dann meist sechs Leute an einem Tisch, der dann von einem zuständigen Schiedsrichter betreut wird. Bei einer deutschen Meisterschaft machen ungefähr 70 Leute mit. Bei einer Weltmeisterschaft können es schon einmal 300 sein.

Warst du schon bei Weltmeisterschaften?
Ja, ich nahm in Polen, Belgien und in Deutschland teil. Wenn eine Meisterschaft in der Nähe ist, geht das ja unkompliziert. Nach Japan zu fliegen, ist da natürlich weitaus aufwendiger und kostenintensiver. Ich habe in den 24 Jahren, in denen ich nun das Langsamrauchen praktiziere, an etwa 20 Wettbewerben teilgenommen. 

Hat sich deine Technik in dieser Zeit verändert?
Ich bin inzwischen auf jeden Fall besser als früher. Aber ich bin nicht der Beste in meinem Verein. Mein Kollege Uli wurde schon sechsmal deutscher Meister. Ihn zu schlagen, wäre natürlich ein persönlicher Erfolg.

Das heißt, ihr trainiert auch fleißig …
Ja, unser Club trifft sich immer in der Dorfkneipe. Erst essen wir, dann trinken wir Bier und rauchen dazu Pfeife. Die Geselligkeit gehört ja immer dazu. Auch bei Meisterschaften. Mit einem Kölner Club sind wir beispielsweise gut befreundet und haben uns auch schon gegenseitig besucht. 

Welches Ereignis ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Eine Meisterschaft findet für gewöhnlich kurz nach Mittag, also gegen zwei oder drei Uhr statt. Nach spätestens eineinhalb Stunden sind die meisten Teilnehmer dann aus dem Wettbewerb ausgestiegen – es bleibt also einiges an Zeit bis zur Siegerehrung am Abend. Einmal stand als Nachmittagsevent für die bereits ausgeschiedenen Teilnehmer bei uns in Arnsberg eine Treckerfahrt mit Verkostung des «Voßwinkler Tropfens», eines Kräuter­likörs, an. Die etwa fünfzehnköpfige Truppe trank gut sechs Flaschen – es konnte kaum noch jemand an der Siegerehrung teilnehmen …

Gibt es auch so etwas wie Staffelrauchen?
Nein, das nicht, aber Mannschaftsrauchen. Da werden von vier Rauchern die besten drei Zeiten gemeinschaftlich gewertet.

Und Frauen-Teams gibt’s auch?
Klar, wir sehen das aber nicht so eng. Wenn bei den Damen eine in der Mannschaft fehlt, rasiert sich halt einer von uns Männern im Verein die Beine und springt ein …

Also alles nicht so ernst bei euch?
Man darf halt die Freude an der Sache nicht verlieren. Es gibt auch Leute, die nehmen das Langsamrauchen sehr ernst, die wollen nicht angesprochen werden und die trinken nur Wasser, um sich besser konzentrieren zu können. Bei uns darf das jeder machen, wie er möchte. Für mich gehört etwas Augenzwinkern bei solch einer Nischensportart aber einfach dazu … |

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