Turbo Moka: Kaffee nach dem Turbinenprinzip

Jeder kennt sie, in Italien sowieso: die Mokkakanne, in Deutschland fälschlicherweise oft «Espressokanne» genannt und in Italien meist einfach «Bialetti» (nach dem Unternehmer Renato Bialetti, der die von seinem Vater erfundene Kanne nach dem Zweiten Weltkrieg berühmt machte). In fast hundert Jahren hat sie sich nicht verändert und funktioniert heute noch nach dem gleichen Prinzip: In den mit Wasser gefüllten Kessel wird der Trichter eingesetzt, in dem sich das Kaffeepulver befindet. Anschließend schraubt man das Oberteil auf die Kanne und stellt sie auf den Herd. Beim Erhitzen beginnt das Wasser zu verdampfen. Es entsteht ein Überdruck, der das heiße Wasser im Kessel durch das Kaffeepulver im Trichtereinsatz drückt. Der Kaffee fließt dann durch ein Feinsieb an der Unterseite des Kannenoberteils, steigt im Steigrohr auf und läuft aus diesem von oben in das Kannenoberteil.

An diesem Grundprinzip will auch Matteo Frontini nichts ändern – dennoch hat der 35-jährige Mailänder seine eigene Version der Mokkakanne auf den Markt gebracht. An seinem futuristisch aussehenden Neuentwurf stechen sofort die um den Kessel verlaufenden, geschwungenen Rippen ins Auge. Durch sie wird die Wärme effizienter genutzt. So kocht das Wasser schneller und der Gasverbrauch sinkt. Seine Erfindung hat Frontini dementsprechend «Turbo Moka» getauft.


Vom Sparzwang zum Geistesblitz

Auf den Gedanken, die klassische Mokkakanne zu verbessern, kam er im Sommer 2024 während eines Urlaubs in den Dolomiten. «Dort gibt es kein Gasleitungsnetz, also nutzt man Propangasflaschen», erzählt der Ingenieur. «Nach der fünften oder sechsten Gasflasche, die ich wechseln musste, war ich genervt und begann darüber nachzudenken, wie man den Gasverbrauch senken könnte.» Beim Kochen mit Gas könne man sehen, wie die Flammen seitlich am Topf vorbeiziehen: «Der Boden der meisten Kochtöpfe und auch der klassischen Mokkakannen ist flach. Dies lenkt die Hitze an die Außenseite.» Frontinis erster Prototyp war eine umgebaute Bialetti, bei der er zur effizienteren Nutzung des Gases Kupferplättchen senkrecht an die Seitenflächen des Kessels angebracht hatte. «Daraus ergab sich bereits eine Verbesserung der Energieeffizienz um etwa 20 Prozent, aber zwischen den senkrechten Platten stieg die Hitze schnell nach oben und blieb nicht lange in Kontakt mit dem Kessel», berichtet der Erfinder. Auf CNC-Maschinen fräste er weitere Prototypen, experimentierte dabei mit verschiedenen Formen und führte auch Simulationen durch, um den optimalen Winkel für die Rippen herauszufinden. «Mein Ziel war es, die Länge des Weges zu maximieren, auf dem das heiße Gas in Kontakt mit der Kannenoberfläche bleibt», erläutert Frontini sein Vorgehen.

Die Erfahrungen des Italieners in der Luft- und Raumfahrttechnik flossen in die finale, vom Turbinenbau geprägte Gestaltung ein. «Die geschwungenen Rippen führen das Gas um die Kanne herum und vergrößern die Oberfläche um 93 Prozent», erklärt Frontini. Die zugeführte Energie wird so effizienter genutzt und der Brühvorgang beschleunigt sich deutlich.


Feinguss aus Norditalien

Kannenoberteil, Trichter und Ventil des «Turbo Moka» stammen von externen Zulieferern. Der Kessel wird nach Frontinis Vorgaben im Wachsausschmelzverfahren per Feinguss gefertigt. Alle wesentlichen Arbeitsschritte finden dabei in Norditalien statt. Ein externer Werkzeugmacher fertigt die Form, in der das Wachsmodell gegossen wird. Dieses wird zur Herstellung der eigentlichen Form mit keramischer Schlickermasse und Sand ummantelt, im Ofen getrocknet und gehärtet, wo gleichzeitig das Wachs ausschmilzt. Im nächsten Schritt wird flüssiges Aluminium in die Form gegossen. Nachdem es erhärtet und abgekühlt ist, bricht man die Keramik auf und löst sie ab. Übrig bleibt das fertige Aluminiumteil, das in rotierenden Trommeln im Schleifgranulat erst gereinigt und dann poliert wird. Im letzten Schritt werden das Loch fürs Sicherheitsventil eingefräst und das Ventil eingesetzt. Für das Wachsausschmelzverfahren hat sich Frontini entschieden, weil es günstiger ist als andere, gut für kleine Serien geeignet, präzise Formen erlaubt und vollständig in Italien durchgeführt werden kann.

Die patentierte Technik der außen angebrachten, geschwungenen Rippen ließe sich prinzipiell auch auf Töpfe und Pfannen anwenden. Frontini möchte sich zunächst aber ganz auf die Herstellung des «Turbo Moka» konzentrieren. «Wir müssen nicht ständig Neues erfinden. Uns reicht es, das Bestehende immer weiter zu perfektionieren», sagt er. Der Mailänder ist stolz darauf, dass er sein Ziel, die Entwicklung und Herstellung einer energiesparenden Mokkakanne, erreicht hat: «Es macht mich glücklich, dass wir es den Leuten ermöglichen, dasselbe Ergebnis in der halben Zeit und mit der Hälfte des Gases zu erzielen.» 

Der Kaffee aus dem «Turbo Moka» schmecke übrigens genau wie der aus einer herkömmlichen Mokkakanne, unterstreicht Frontini – der schnellere Brühvorgang bewirke keine Veränderung des Heißgetränks. Der Tüftler ist sich sicher, noch viele weitere Menschen für seine Erfindung gewinnen zu können: «Wenn du ein gutes Produkt machst, erkennt das der Markt und die Leute folgen dir.» | Maximilian Schröter, München

zurück zum Magazin