Tecnorm beyond: Damit passt, was passen soll
Mit der Einführung seiner neuen Marke «Tecnorm beyond» zeigt der Normalienlieferant aus Finnentrop, wie weitreichend durchdachte Partnerschaften Prozesse im Werkzeug- und Formenbau optimieren, Ressourcen schonen und Renditen steigern können. Mit großer Leidenschaft fügt Tecnorm mit seinem Konzept bereits bestehende Dienste so zusammen, dass für den Kunden ein echter Mehrwert entsteht.
Gegründet 1973, blickt Tecnorm auf eine lange Tradition im Bereich der Normalien- und Präzisionsteile zurück. Mit der Übernahme durch Frank Hustadt 2008 und dem heutigen Firmensitz in Finnentrop hat sich das Unternehmen vom regionalen Anbieter zum europaweit geschätzten Partner entwickelt. Das Unternehmen versteht sich nicht als anonymer Versender von Bauteilen, sondern als integraler Bestandteil der Wertschöpfungskette seiner Kunden. Dabei geht es weniger um das reine Stückpreis-Argument als um die Optimierung der gesamten Abläufe – vom ersten CAD-Datensatz über die Stücklistenerstellung bis hin zur passgenauen Lieferung. In einem Markt, in dem Geschwindigkeit und Präzision über den Erfolg ganzer Produktreihen und Fertigungsprojekte entscheiden, verschafft dieser Ansatz Werkzeugmachern – und den Teilefertigern – einen strategischen Vorteil.
Mehr als nur ein Lieferant
Mit der Markenerweiterung «beyond» entwickelt Tecnorm seine Rolle vom reinen Norm- und Zeichnungsteilelieferanten zum Prozesspartner. Ziel ist es dabei, den Anwendern ein ganzes System bereitzustellen, das die Wertschöpfung steigert und Abläufe vereinfacht. Der Clou: Alles passt perfekt zusammen, weil alles aus einer Hand kommt – auf Wunsch als fertig kommissionierte, beschriftete Stückliste, direkt an die Werkbank geliefert. Tecnorm ermöglicht seinen Kunden reibungslose Abläufe, indem das Unternehmen ihnen z. B. Sorgen bezüglich Durchgängigkeit oder Plausibilität von Zeichnungsteilen abnimmt. Das macht den Workflow effizienter.
Dieses Prinzip fällt bei Klaus Baier aus Pfronten auf fruchtbaren Boden. Das Familienunternehmen fertigt komplexe Stanz- und Umformwerkzeuge für Kunden auf der ganzen Welt, vor allem für die Automobilindustrie. Auch Teile und Baugruppen werden am Standort in Serie produziert. In beiden Bereichen ist Tempo und Präzision gefordert – jeder Tag zählt. Daher liefert Tecnorm komplette, auf die Fertigungslogik von Klaus Baier zugeschnittene Pakete, basierend auf abgestimmten Stücklisten mit Normalien ebenso wie auf individuell gefertigten Sonderteilen. Geschäftsführer Joachim Baier ist von dem Konzept überzeugt.
Herr Baier, der Werkzeug- und Formenbau muss zurzeit vielfältigen Veränderungen begegnen. Wie hilft Ihnen hier die Einbindung von Tecnorm?
Es ist tatsächlich so, dass der Preis im Dialog mit unseren Kunden schon eine Rolle spielt – oftmals aber eben auch nicht. Wenn Liefertermine oberste Priorität haben – und die werden immer enger –, heißt das für uns, dass wir unsere Durchlaufzeiten entsprechend verkürzen müssen. Das ist aber nur möglich, wenn wir uns auf unsere Kernkompetenz konzentrieren können und alles andere in einem funktionierenden Netzwerk zukaufen. So haben wir es geschafft, mittlerweile Werkzeuge in sechs bis acht Wochen liefern zu können. Das ist die halbe Zeit wie noch vor zwei Jahren. Wir müssen aber noch schneller werden, um der Konkurrenz aus Fernost Paroli zu bieten. Denn egal, was man in China beauftragt, es ist nach fünf Wochen fertig. Das müssen wir auch hinbekommen. Nur haben wir natürlich nicht annähernd so viel Manpower hier in Deutschland und auch ganz andere Arbeitszeitmodelle. Also müssen wir das über Netzwerke und Automatisierungen angehen. Dann haben wir mit unserem Qualitätsverständnis einen echten Wettbewerbsvorteil – zumal auch die Werkzeugpreise in China steigen.
Wie hat sich diese Effizienzsteigerung betriebswirtschaftlich ausgewirkt?
Mit der Optimierung interner Prozesse konnten wir bei gleicher Mannschaft in den vergangenen zwei Jahren den Umsatz von 2,7 auf 4,5 Millionen Euro steigern. Aber auch hier haben wir noch einiges vor uns, mit der Entwicklung unseres Angebots in Richtung erweiterte Baugruppen und Service.
Sie arbeiten ja bereits mit internationalen Kunden. Sehen Sie weitere Chancen für Ihr Unternehmen im Ausland?
Ja, unser Vertrieb spricht Englisch, und auch in der Technik und in der Konstruktion ist es wichtig, entsprechende Mitarbeiter zu haben. Und wir stellen auch auf internationalen Messen aus – vergangenes Jahr in Vietnam, dieses Jahr in Thailand –, um zu sehen, ob sich hier neue Chancen und Märkte ergeben.
Kommunikation auf Augenhöhe
In der neuen Zulieferkonstellation bei Klaus Baier übernimmt Tecnorm auch die Rolle eines Lohndienstleisters. Mit einer Lieferzeit von vier bis sechs Wochen werden Zeichnungsteile gefertigt, auch für äußerst komplexe Werkzeuge mit bis zu 300 Tecnorm-Positionen. Am Ende kommt bei Klaus Baier im Werkzeugbau ein passender Teilesatz an. Dieser besteht aus einem Normteil-Paket, das Tecnorm aus seinem Lager bedient, und aus dem koordinierten Sonderteilspektrum – fertig beschriftet, fertig kommissioniert und verpackt.
In der Zusammenarbeit ist Tecnorm jedoch mehr als nur ein reiner Lieferant. Die beiden Unternehmen stehen in engem Austausch. Der Servicegedanke, der sich hinter «beyond» verbirgt, ist eine eigenständige Leistungsebene bei Tecnorm geworden. Das Prinzip steht für individuelle Betreuung, höchste Prozesssicherheit und spürbare Effizienzgewinne entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Daher beraten die Finnentroper Spezialisten die Anwender und geben etwa bei Sonderteilen Materialempfehlungen oder unterstützen mit ihrer Erfahrung und ihrem Prozessverständnis auch bei der Teileauslegung – sehr zur Freude von Marcel Frömmrich, Bereichsleiter Werkzeugbau bei Klaus Baier.
Herr Frömmrich, die Zusammenarbeit müsste sich ja so anfühlen, als ob Sie einen Mitarbeiter von Tecnorm im Unternehmen haben …
Oder wir bei Tecnorm …Wir kommunizieren so oft und so intensiv mit Finnentrop – mehrfach am Tag – und tauschen uns da aus, dass die Tecnorm-Mitarbeiter, die sich ja den Kopf über unsere Probleme zerbrechen, eigentlich schon zu unserer Belegschaft gehören …
Was ist das Besondere an dieser nahen Abstimmung?
Wir eliminieren bereits viele Fehlerquellen, schon bevor die Teile überhaupt bei uns ankommen – allein durch die Kommunikation. Und: Wir bekommen von Tecnorm alles aus einer Hand, in immer gleichbleibender, bester Qualität und mit kurzer Lieferzeit. Das hält uns den Rücken frei für das, was bei Klaus Baier die Wertschöpfung bringt. In den anderen Bereichen lassen wir uns dagegen die Sorgen abnehmen …
Die Wertschöpfung findet bei besonders anspruchsvollen Werkzeugen statt?
Das Schöne ist, dass unsere Kunden nicht nur 08/15-Werkzeuge wollen. Wir fangen oft da an, wo die anderen aufhören. Jedes Projekt bringt andere Aufgaben. Und die zu lösen, macht den Spaß an der Arbeit aus. Wir werden jeden Tag aufs Neue herausgefordert.
Normalien für das Unnormale …
Eine weitere Besonderheit bei den Standardisierungsüberlegungen von Klaus Baier ist die Struktur: Das Pfrontener Unternehmen hat viele unterschiedliche Kunden, die wiederum unterschiedliche Standards bei Teilen und Normalien vorgeben. Das macht es nicht leichter, Buchsen, Führungen oder Säulen zu vereinheitlichen. Hinzu kommt die Bandbreite: von Folgeverbund- über Transfer bis zu Softtool-Werkzeugen, von 100 bis zu 4000 mm Länge.
Joachim Baier und sein Team fertigten in ihrem Hauptbereich Automotive, der etwa 80 Prozent des Umsatzes ausmacht, u. a. Werkzeuge für Dichtungen und Wärmetauscher für Pkw und Lkw. Die extremen Marktverschiebungen veranlassen das Unternehmen jedoch, auch nach neuen Anwendungen und neuen Kunden Ausschau zu halten. Man fokussiert beispielsweise auf Themenfelder wie Thermo-Management für E-Fahrzeuge und Brennstoffzellentechnologie. Aber auch der Umsatz außerhalb des Automotivebereichs soll weiter ausgebaut werden.
Doch die Werkzeugbau-Spezialisten sind nicht nur im High-End unterwegs, sondern bauen auch einfache Werkzeuge: Bei denen besteht die Herausforderung, diese schnell und effizient «durchzuschleusen», damit sich auch entsprechend ein Ertrag generieren lässt. Und auch hier hilft Tecnorm mit seinem neuen Dienstleistungsansatz, um im Werkzeug- und Formenbau effizient zu bleiben.
Herr Baier, wenn Werkzeuge anspruchsvoll sind, zieht bei Ihnen das Alleinstellungsmerkmal «Machbarkeit». Das Ziel sollte aber sein, auch mit einfacheren Projekten in Deutschland noch Geld zu verdienen, um eine industrielle Basis am Standort zu halten. Ist es gerade bei weniger komplexen Werkzeugen wesentlich, effizient zu konstruieren und zu fertigen?
Ja, da muss man wirklich höllisch aufpassen. Wir laufen da schon auch immer wieder Gefahr, dass wir uns in der Präzision verlieren. Da wird oft ein Hubschrauber konstruiert, auch wenn ein Rasenmäher reichen würde … Einmal falsch begonnen, zieht sich das dann bis in die Fertigung. Adäquate Norm- und Zeichnungsteile, die wir zukaufen, unterstützen uns hier, die passende Qualität zu gewährleisten und Overengineering zu vermeiden.
Und man kann mit einem erprobten Zuliefersystem natürlich auch besser mit Auftragsspitzen umgehen.
Ohne Tecnorm als Partner hätten wir gar keine Chance, so schnell so viele Werkzeuge zu produzieren. Die neue Herangehensweise steigert zwar das Einkaufsvolumen, letztendlich aber auch unsere Rendite. Zudem gewinnen wir das Vertrauen unserer Kunden, weil sie merken, dass wir große Werkzeugprojekte in kürzester Zeit durchziehen können. Das ist eigentlich schon Marketing. Dieser Effekt lässt sich gar nicht kalkulieren …
Auch dessen ungeachtet ist es ja sinnvoll, auf Standards zu setzen …
Das ist natürlich die Schwierigkeit, die wir haben. In einem großen Werkzeug für Kühlschrank-Strukturteile sind Biegeeinsätze so groß wie ein ganzes Mikropräge-Werkzeug. Diese Bandbreite einheitlich mit Standards abzudecken, ist nicht möglich. Wir haben für Werkzeuge, die bei uns im Haus bleiben, aber eine Modulbauweise erarbeitet, eine interne Norm. Nach außen sind wir aber auch an die Lastenhefte unserer Kunden gebunden.
Instandhaltungsmanagement: Das Unvorhersehbare planen
Und wo geht die Reise mit Tecnorm beyond hin, wenn man schon das Ziel erreicht hat, weiterzugehen, hinter das Normale? In Finnentrop plant man bereits, Kunden die werkzeugbezogene Ersatzteilversorgung anbieten zu können. Zielgruppe: Teilefertiger mit eigenem Werkzeugbau. Für hochpriorisierte Produktionsmittel, die laufen müssen, sind die wichtigsten Bauteile als Ersatz vorrätig. Und ganz im Sinne von Industrie 4.0 sollte das Lagersystem dann automatisch eine Bestellung auslösen, wenn eine Mindestmenge unterschritten wird.
Herr Baier, ein automatisiertes Instandhaltungsmanagement wäre ja auch ein Argument für Ihre Kunden.
Einige große haben tatsächlich ein Ersatzteilmanagement, das genauso abläuft. Diese Unternehmen produzieren aber auch 30 Millionen Teile pro Jahr. Bei uns sind die Zahlen in der Teilefertigung viel geringer – zwischen 1000 Stück bis ein, zwei Millionen. Dafür haben wir ein breites Spektrum an Teilen, die wir fertigen, was die Vorhaltung von Ersatzteilen aber zusätzlich noch verkompliziert.
Und wie lösen Sie das für sich und für die Anwender Ihrer Werkzeuge?
Im «Standardgeschäft» kaufen wir die produktionsrelevanten Norm- und auch Spezialteile auf Vorrat. Und wir halten bei uns aber für Sonderfälle auch immer Kapazität frei, damit wir sofort reagieren können, wenn etwas passiert. Manche Teilefertiger haben ja gar keine Chance, innerhalb von 24 Stunden irgendein Ersatzteil auf den Weg zu bringen. Daher halten wir auch immer gehärtete Platten, auch Materialien vor. Das ist Teil unserer Strategie.
Und was wären solche Sonderfälle?
Nun, wir haben viele Themen, beispielsweise bei der Brennstoffzellentechnologie, bei denen wir intern Forschung betreiben. Es gilt in diesem Bereich, sehr dünne Materialien zu schneiden und zu prägen. Wenn wir da Werkzeuge mit bis zu vier Meter Länge bauen, muss die geforderte Präzision trotzdem gewährleistet sein. Wir sprechen hier von Schnittspalten mit 3 µm, die mit engsten Toleranzen einzuhalten sind … Dabei beeinflussen viele Faktoren die Präzision – von der Materialfertigung über die Wärmebehandlung bis hin zur Handhabung der Presse. Auch bereits in der Lagerung durchläuft das Bauteil einen «Alterungsprozess» auf atomarer Ebene und verändert minimal sein Volumen bzw. seine Maße. Innere Spannungen des Stahls relaxieren, Phasen wandeln sich um, Gitter ordnen sich neu. All das nimmt Einfluss, und da schauen wir, wie wir die Werkzeuge so bauen können und das Material so beruhigen, dass einfach aus der Richtung schon keine Ungenauigkeiten entstehen. Das alles muss vorausschauend geplant sein, um auch spontan kurze Durchlaufzeiten zu erreichen. Und wir holen uns auch immer wieder Werkzeuge zurück und untersuchen, was beim Teilefertigen passiert. Denn auch dort gibt es einen Wärmeeintrag und Drücke wirken auf die Aktivteile. Da wollen wir wissen, was maßlich passiert ist, um gegenzusteuern. Das ist der Hochpräzisionsbereich, in dem wir unterwegs sind und unsere Kernkompetenz, auf die wir uns konzentrieren …
Das Partnerschaftsmodell zwischen Tecnorm und Klaus Baier zeigt, wie Unternehmen gemeinsam stärker sein können als allein. Für beide Seiten bedeutet das nicht nur wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch die Freude an der täglichen Arbeit und das gute Gefühl, zusammen etwas bewegen zu können.
Mit «Tecnorm beyond» bieten die Finnentroper Normteil-Spezialisten ein neues Dienstleistungspaket an, von dem alle Werkzeugmacher und – über die optimierten Lieferzeiten und Qualitätsgewinne der Produktionsmittel – auch deren Kunden profitieren können. | Fabian Diehr, München