Spannen mit System: Mit Nullpunkt-Technologie zu mehr Präzision und Prozesssicherheit

Fabian Diehr im Gespräch mit Partool-Prokurist Holger Heimerdinger

Holger Heimerdinger begleitet das hauptsächlich auf den Vertrieb von Nullpunktspannsystemen spezialisierte Nürnberger Unternehmen Partool seit mehr als 20 Jahren. Dem Prokuristen und gelernten Werkzeugmacher ist in Zeiten fortschreitender Automatisierung eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit seinen Kunden wichtig. Dabei sieht Heimerdinger seine zentrale Aufgabe darin, von Beginn an alle am Fertigungsprozess Beteiligten mitzunehmen – schließlich geht es um nicht weniger als Standortsicherung: «Werkzeug- und Formenbau-Unternehmen können wirtschaftlicher fertigen, wenn sie ihre Kapazitäten besser nutzen», so der gebürtige Thüringer. Zunächst müssen die Entscheider aber investieren und sich vor allem vielleicht auch eingestehen, dass sie noch gar nicht so effizient sind, wie sie glauben …

«Hohe Präzision, Effizienz in der Fertigung und Prozesssicherheit für die Automation. Das sind unsere Argumente.» Wer Holger Heimerdinger zuhört, bekommt schnell den Eindruck eines Mannes, der etwas von seinem Handwerk versteht. Das kommt nicht von ungefähr. Ursprünglich kommt er nämlich aus der Produktion. Dass er einmal Werkzeugmacher berät und ihnen Nullpunktspannsysteme verkauft, war lange Zeit alles andere als eine ausgemachte Sache: Fast 15 Jahre hat Heimerdinger in der Praxis gearbeitet und wechselte 2005 dann «von heute auf morgen» aus der Fertigung in den Vertrieb. Die gute Portion Know-how, die der 52-Jährige dank seiner Biographie im Gepäck trägt, kommt bei den Kunden gut an.

Herr Heimerdinger, Sie sind selbst Werkzeugmacher, aber heute in ganz Deutschland im Anzug unterwegs. Glauben Ihnen die Werkzeugmacher an der Werkbank im ersten Moment immer alles? 
Bei meinem ersten Außendiensttermin durfte ich ein System auf einer Drahtschneidemaschine aufbauen, auf der ich zuvor jahrelang gearbeitet hatte. Da wurden die Augen schon groß, als die Werker im Unternehmen gesehen haben, dass bei mir – trotz Krawatte – jeder Handgriff an der Maschine sitzt. Da bricht natürlich das Eis schneller.

Damit kokettieren Sie aber auch gerne?
Zu sehen, wie Leute sich öffnen, wenn die merken, dass ich zumindest ein bisschen Ahnung habe, und das technische Fachsimpeln machen mir dann schon richtig Freude.

Die Kundenkreise, die Partool bedient, sind ursprünglich und immer noch der Werkzeug- und Formenbau und in den vergangenen Jahren zunehmend auch Lohnzerspanung und vor allem der Maschinenbau. Diese Kundenkreise haben unterschiedliche Anforderungen, aber auch gegenseitige Wechselwirkungen: Vor 20 Jahren waren die Argumente der hochpräzise arbeitenden Werkzeugmacher die Genauigkeit und die reduzierten Rüstzeiten bei der Verwendung von Nullpunktspannsystemen. Damals waren 90 Prozent der Partool-Kunden Werkzeug- und Formenbau-Betriebe. Doch die Maschinenbauer holten auf, weil für sie die Automatisierungsmöglichkeiten in der Fertigung mit einem durchgängigen Spannsystem stark im Fokus stehen. Sie machen heute rund 80 Prozent der Kunden des Nürnberger Unternehmens aus und dienen hier als Anschauungsbeispiel für die Werkzeugmacher – die kommen heute um die Automatisierung bei Losgröße eins nicht mehr herum.


Qualität als Erfolgsgarant

Standardisierte Schnittstellen sind heute in jedem Anforderungs­katalog zu finden. In der Praxis bieten sie enorme Produktionsvorteile. Denn die Auswechslung eines einmal gerüsteten Werkstücks kostet Zeit, der Nullpunkt geht verloren und es muss neu justiert werden. Diese kostenintensiven Arbeitsschritte werden dank eines Nullpunktspannsystems minimiert. So erhöht sich die Maschinenlaufzeit und Spannen wird zum vereinheitlichten Arbeitsprozess. Wenn dieser Standard bei allen Maschinen und in allen Fertigungsverfahren gilt, bedeutet das eine höhere Produktivität. «Je besser standardisiert wird, desto besser ist am Ende der Workflow», erklärt Heimerdinger. 

Power-Grip ist Ihr ursprüngliches Nullpunktspannsystem und auch das, das die meisten Anwendungen hat. Welches sind die Differenzierungsmerkmale dieses Systems? 
Der Clou unseres Systems ist die Flexibilität und die Durchgängigkeit: Hier unterscheiden wir uns gravierend vom Markt. Wir bieten eine Nullpunktspanntechnik, die mit einer einzigen Schnittstelle verschiedenste Bauteilgrößen abdeckt. Von der kleinsten 125×125mm-Palette bis zur größten mit 2000×2000mm bieten wir ein einziges modulares System, das zudem auch für alle Fertigungsverfahren einsetzbar ist. Vom Senk- und Drahterodieren über HSC-Fräsen, Drehen und Schleifen bis zum Messen lassen sich so Anwendungen gerade in der Automation leicht kombinieren und Bauteile extern rüsten. Power-Grip ­erfüllt aber auch ganz direkte mechanische Anforderungen im Hinblick auf eine automatisierte Fertigung: gehärtete und korrosionsbeständige Referenzflächen, Anlagenkontrollen oder eine automatische Auflagenreinigung. Aber auch Anschlüsse für Sperrluft oder Überdruck – was beispielsweise für die Sauberkeit beim Erodieren unerlässlich ist – sind vorhanden. 

Was noch auffällt: Power-Grip steht auf dem Kopf …
Ja, das dient der Prozesssicherheit und macht das System im besten Fall selbstreinigend. Bei uns ist die erhabene Inselauflage und nicht die Aufnahmebohrung unten am Maschinentisch. Also fließen Späne oder Erodierpartikel automatisch ab und sammeln sich nicht im System. Diese umfassende Vereinfachung des vorbeugenden Reinigens ist wesentlich für die Automation. Denn hier ist kein Bediener mehr an der Maschine, der überwacht, ob alles richtig gespannt ist. Das alles muss einfach, sicher und ohne großen Aufwand funktionieren. Zumal mancher Anwender hier bereits von Nanometern spricht und nicht mehr von Mymetern. Auf diese Prozesssicherheit durch Präzision zahlt die besondere Geometrie unseres Systems nachhaltig ein!

Auch wenn der Vertrieb von Nullpunktspannsystemen das «Brot-
und Buttergeschäft» von Partool ist, wäre es falsch, die Tätigkeit des fränkischen Betriebs auf deren Handel zu reduzieren. Als Partner des Schweizer Herstellers Parotec bietet Partool eine hochtechnische Produktpalette an, das Portfolio ist breit. Holger Heimerdinger ist sich allerdings über die Strahlkraft seines «Zugpferds» bewusst. 

In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, warum noch nicht alle Werkzeug- und Formenbau-Unternehmen auf Nullpunktspannsysteme setzen. Heimerdinger sieht das u. a. in der Tatsache begründet, dass die Anschaffung eines durchgängigen Spannsystems mit Initialkosten verbunden ist, bei denen zunächst niemand «Hurra» schreie. Auch aus dem Preissegment, in dem sich Partool bewegt, macht er keinen Hehl: «Wir werben nicht damit, dass wir günstiger als andere Anbieter sind, sondern mit der Qualität und dem Mehrwert. Es geht darum, den Bedarf zu zeigen und warum sich diese Investition lohnt.» Und dieser Bedarf ist nach wie vor da: Seitdem die schweizerisch-deutschen Partner Parotec und Partool 2001 mit dem Power-Grip ihr erstes Nullpunktspannsystem eingeführt haben, deckt der Top-Seller weiterhin eine Nachfrage, die über die Jahre hinweg stetig zunimmt.

Aber Heimerdinger und sein Team reagieren ebenfalls auf die An
forderungen aus dem Markt: Mit dem Smart-Grip, einem modularen Spannsystem speziell zum Drahterodieren, dem Genius-Grip, das sich insbesondere an Großbearbeitungszentren richtet, dem Micro-Grip für besonders kleine Werkstücke oder dem Roto-Grip für rotative Bearbeitungen bis zum Werkstück-Spannsystem Defo-Grip sind im Laufe der vergangenen Jahre weitere, spezialisierte Spannsysteme hinzugekommen. Die fußen wiederum allesamt auf der Grundidee, dass die Anwender durch eine Vereinfachung ihrer Produktion dabei unterstützt werden sollen, Arbeitsprozesse zu optimieren und langfristig Kosten zu senken. Natürlich ist das immer nur die halbe Miete. Überzeugen müssen selbstverständlich immer die Produkte selbst. Aber auch da sieht sich Heimerdinger gut aufgestellt.

Der Mehrwert für den Anwender ist, dass Partool seine Partner genau aussucht, um immer das passende «Rundum-sorglos-Paket» für seine Kunden zusammenzustellen. «Qualified by Partool», so beschreibt man beim Nürnberger Unternehmen den Sachverhalt, dass der Anwender nicht mehr recherchieren, testen und vergleichen muss. Das erledigen die Spezialisten von Partool mit ihrer Fertigungserfahrung. Das Portfolio reicht von 5-Achs-Spannern mit Besonderheiten wie werkzeuglosem Backenschnellwechsel über Magnetspanntechnik bis zu anderer manueller Spanntechnik. «Partool hat’s ausprobiert», das wissen unsere Kunden, so Heimerdinger.


Vom Werkzeugmacher zum Berater

Holger Heimerdinger würde man aber kaum ausreichend beschreiben, wenn man ihn lediglich als Vertriebler bezeichnen würde. Dafür kommen ihm im achtköpfigen Unternehmen zu viele verschiedene Aufgaben zu, die ihn genauso gut als feldforschenden Betriebs­psychologen charakterisieren ließen. Wenn bei Kunden Bedarf ist, Prozesse zu beschleunigen und umfangreiche Arbeitsabläufe zu verschlanken, ist der Partool-Prokurist derjenige, der das Know-how mitbringt, um alles zum Funktionieren zu bringen.

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