Gierig nach Neuem – das Erfolgsrezept von OM Werkzeugbau
Geschäftsführer Dennis Pieper kennt OM Werkzeugbau bereits aus Kindheitstagen, als das Unternehmen noch Melz Werkzeugbau hieß und er seinen Vater dorthin begleiten durfte, wenn dieser Werkzeuge abholte. Schon als kleiner Junge lief er in der Werkstatt herum und bekam von Firmengründer Melz jedes Mal ein Spielzeugauto geschenkt. Die Neugier, die ihn damals antrieb, ist ihm bis heute geblieben. Sie prägt nun ein Unternehmen, das mit rund 40 Mitarbeitenden jährlich etwa 150 Werkzeuge fertigt. Wer mit 28 Jahren einen etablierten Betrieb übernimmt, trägt früh Verantwortung. Doch für Dennis Pieper war das kein Sprung ins kalte Wasser, sondern nur der nächste logische Schritt.
Dennis, du hast 2021 ein Werkzeugbau-Unternehmen übernommen, und das in einer Zeit, in der sich so mancher Unternehmer in Deutschland fragt, ob das überhaupt noch ein Geschäftsfeld mit Zukunft ist. Was hat dich da geritten?
Ja, das frage ich mich auch (lacht). 28 Jahre alt, gerade geheiratet, das erste Kind war unterwegs – da kam zum Jahreswechsel vor fünf Jahren tatsächlich einiges zusammen. Ich habe mein Leben aber nie am Reißbrett geplant, und es war auch nicht immer schon mein Ziel, Geschäftsführer eines Werkzeug- und Formenbaus zu werden. Aber als sich mir die Chance geboten hat, habe ich sie ergriffen – und die Branche in ihrer Vielfalt fasziniert mich seither immer mehr. Wir setzen hier tatsächlich etwas um und haben eine enorme Handhabe, Dinge nicht nur zu diskutieren, sondern zu machen. Das hat mich schon immer begeistert.
Eine Hommage an die Werkzeugmacher …
Klar, ohne diese Leidenschaft wäre ich wahrscheinlich nicht hier reingewachsen. Es wird auf jeden Fall nie langweilig, sondern bleibt immer interessant und spannend, auch aufgrund der Veränderungen, denen man sich stellen muss und mit denen man letztendlich wächst. Auf der anderen Seite ist es aber eben auch so, dass im Unternehmen 40 Köpfe arbeiten, zu denen 40 Familien dazugehören. Und auch das war für mich ein wichtiger Beweggrund, das Unternehmen hier fortzuführen. Corona war vorbei und ich hatte das Gefühl, im Sinne der Menschen und der Branche Verantwortung übernehmen zu müssen …
Fernost als Herausforderung und Chance zugleich
Diese Haltung – Dinge anzupacken, statt sie nur zu diskutieren – prägt auch die Entwicklung des Unternehmens selbst. Für Pieper ist sie Ausdruck jener Neugier, die ihn seit Kindheitstagen begleitet. Vom einstigen Melz Werkzeugbau über Brinkmann Formenbau bis hin zum heutigen OM Werkzeugbau hat sich der Betrieb immer wieder neu erfunden, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Die tiefe Verbundenheit zum Oldenburger Münsterland etwa schlägt sich heute ganz bewusst als Kürzel im neuen Namen nieder.
Der Wandel zeigt sich heute auch in der Vielfalt der Leistungen: OMW hat sich vom klassischen Werkzeug- und Formenbau-Betrieb zum breit aufgestellten Full-Service-Dienstleister entwickelt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten fertigt das Unternehmen Werkzeuge für die Kunststoffverarbeitung in sämtlichen Industriebereichen. Statt sich auf eine Nische zu konzentrieren, liegt die Spezialität von OMW gerade in der Breite seines Leistungsportfolios und in der umfassenden Betreuung. Beginnend mit der Entwicklungsbegleitung bieten die Mühlener Spezialisten über den Werkzeugbau bis hin zu Reparatur, Wartung und Änderungen eine große Bandbreite an Leistungen an. Zum Portfolio zählen auch Werkzeuge für Sonderverfahren z. B. im Mehrkomponentenspritzguss, mit Tandemtechnologie oder Gas- bzw. Fluidinjektionstechnik, aber auch Gieß- und Schäumwerkzeuge, die alle vor Ort gefertigt werden können – in einem Gewichtsbereich von 25 kg bis 25 t. Gleichzeitig besteht bereits seit 15 Jahren eine Kooperation mit Werkzeugmachern in Asien. Dort gefertigte Werkzeuge machen mittlerweile die Hälfte der Aufträge bei OMW aus.
Welches sind bei der Zusammenarbeit mit China eure Beweggründe? Was fordern die Kunden, was ist euer Benefit dabei?
Letztlich war das immer kundengetrieben. Schon vor 15 Jahren, als das Thema noch schwieriger anzugehen war, haben wir zu unseren Auftraggebern gesagt: Wenn ihr das möchtet, dann machen wir das gemeinsam mit euch. Unser Fokus liegt aber auch heute noch ganz klar auf unserer Fertigung und unserem Werkzeugbau hier vor Ort.
Müsst ihr euch die Frage stellen lassen, ob ihr damit zum Know-how-Verlust in Deutschland beitragt?
Asien ist für unsere Branche ein Dauerthema. Und wenn der Kunde aus Kosten-, Zeit- oder anderen Gründen sagt, das geht ins Ausland, dann wollen wir trotzdem daran teilhaben und ihn bedienen. Mit diesem Konzept verfahren wir schon viele Jahre erfolgreich und es hat sich dabei eine Modularität herauskristallisiert – wir entscheiden nicht je Auftraggeber, sondern individuell je Projekt. Und manchen Kunden können wir auch vermitteln, dass wir das benötigte Werkzeug zum gleichen Preis und in vergleichbarer Geschwindigkeit – vielleicht auch schneller – in Deutschland herstellen können. Mittlerweile haben wir schon in recht vielen Fällen Aufträge hierher zurückgeholt, aber auch nur, weil wir im Projektverlauf beide Möglichkeiten anbieten können und nah am Kunden sind.
Ihr habt in Fernost keine Dependance, sondern Partner.
Wir haben anfangs einen unserer Werkzeugkonstrukteure nach China entsendet. Er lebt mittlerweile fest vor Ort und ist in Asien unser Vertrauensmann. Gleichzeitig haben wir auch seit vielen Jahren in Mühlen einen Chinesen angestellt, der mit den Partnern in China in ihrer Heimatsprache kommunizieren kann. Diese Kombination aus gegenseitig eingebetteten Kommunikationspartnern, die Qualitätsansprüche und die Auftragsorganisation koordinieren, funktioniert für uns sehr gut.
Mit Kollegen gemeinsam Neues schaffen
Die Kunden des Unternehmens kommen aus so gut wie allen Branchen und haben unterschiedlichste Anforderungen. Kann einmal ein Spezialwunsch nicht erfüllt werden, kommuniziert man das offen oder setzt in vielen Fällen auf bewährte Partner. Auf diese Weise kann eine große Bandbreite an Leistungen angeboten werden.
Für Spritzgießlösungen arbeitet OMW etwa mit der benachbarten Firma Burwinkel Kunststoffe zusammen und kann so jederzeit auf deren Maschinen zurückgreifen. Auf der anderen Straßenseite stehen Pieper und seinem Team rund 100 Spritzgießmaschinen zur Verfügung: von der kleinen Boy bis zur 1150-t-Anlage. Und auch hier spielt wieder das Stichwort Modularität eine Rolle – für jeden Kundenwunsch findet OMW die passende Lösung.
Dieses Beispiel steht sinnbildlich für eine junge Generation von Geschäftsführern, die andere Unternehmen nicht als Konkurrenten wahrnehmen. Stattdessen tauschen sie sich aus, arbeiten zusammen und sind sich darüber im Klaren, dass die Mitbewerber ums Geschäft nicht aus der Region kommen, sondern über den Strukturwandel und die Globalisierung auf der ganzen Welt verteilt sind. Auch das ist für den OMW-Geschäftsführer eine Form von Neugier – der Wunsch, voneinander zu lernen und gemeinsam Neues zu schaffen. Diese Offenheit, mit Partnern zu kooperieren und gemeinsam Lösungen zu finden, prägt nicht nur die Arbeit des Unternehmens, sondern auch Piepers Blick auf die gesamte Branche.
Wenn du heute andere junge Werkzeugmacher siehst, was rätst du ihnen?
Jeder muss seinen eigenen Weg finden, der für ihn funktioniert. In unserem Fall ist das unsere große Kundenorientierung. Um nicht nur in unserer eigenen Blase zu bleiben, müssen wir ständig Kontakt mit den Anwendern unserer Werkzeuge halten, um zu wissen, welche Themen sie bewegen. Das sind Fragestellungen, die für uns ausschlaggebend sind. Und was ganz wichtig ist: nicht den Kopf in den Sand stecken! Wir alle müssen uns den bestehenden Herausforderungen stellen und Lösungen finden.
Was wünscht du dir von der Branche?
Es gibt zwar kein Patentrezept, das sich in jeder Situation anwenden lässt. Aber wenn man nah am Kunden ist, mitbekommt, was ihn umtreibt, und wenn man auch für unkonventionelle Wege offen ist, dann führt das in der Regel zum Erfolg. Das ist unsere Erfahrung und das ist das, was Werkzeugmacher in Europa in der Vergangenheit ausgezeichnet hat. Diesen Weg gilt es zu beschreiten.
Den Finger am Puls der Zeit haben, nah an den Bedürfnissen und Interessen der Kunden sein und auch mal neue Wege gehen – das sind Aspekte, die OMW neben technischer Präzision auszeichnen. Der Wunsch nach persönlicher und individueller Betreuung ist bei den Kunden auf jeden Fall vorhanden. Sie sind dankbar, einen Partner zu haben, der sie unterstützt. Genau das ist es, was OMW ausmacht: das Partnerschaftliche, das das Unternehmen in Kombination mit dem breiten Leistungsspektrum und dem ständigen Willen zur Weiterentwicklung und Problemlösung zum einzigen Werkzeugbau macht, den seine Kunden brauchen. Und über allem steht jene Neugier, die Dennis Pieper schon als Kind in die Werkstatt zog und die OMW heute antreibt, neue Ideen zu wagen, Grenzen auszuloten und den Werkzeugbau jeden Tag ein Stück weiterzudenken. | Fabian Diehr, München