Werkzeugmacher im Dialog mit der Politik – der VDWF in Berlin

Am 22. Januar war der VDWF zu Gast im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in Berlin. Ziel des Treffens war es, die derzeitige prekäre Lage der Branche zu vermitteln.


Teilnehmende von Ministeriumsseite:

  • Dr. Henning Wins, Referatsleiter Investitionsgüterindustrie, Konsumgüterindustrie, Investitionsprüfungen
  • Marion Lemgau, Referatsleiterin Grundsatzfragen der nationalen und europäischen Mittelstandspolitik
  • Thomas Frisch, Referatsleiter Fahrzeugindustrie, automatisiertes und vernetztes Fahren
  • Peter Harbich, Referent Luftfahrt, Abteilung Industriepolitik
  • Benedikt Langner, Referent Spezielle Handelspolitik (EU/WTO), Zollpolitik, Handelspolitische Instrumente
  • Dr. Michael Zibrowius, Referent Europäische Industriepolitik
     

Teilnehmende des VDWF:

  • Prof. Thomas Seul, VDWF-Präsident, Vizepräsident für Forschung und Transfer an der Hochschule Schmalkalden
  • Stephan Berz, ISTMA-Europe-Präsident
  • Susanne Schröder, Sprecherin des VDWF
  • Stephan Hoffmann, Geschäftsführer Formconsult Werkzeugbau

Im Mittelpunkt stand die Sicherung der technologischen Führungsrolle und damit die langfristige Stärkung des Produktionsstandorts Deutschland. Der VDWF unterstützt die Unternehmen der Branche dabei, ihre Innovationskraft zu erhalten und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit im Werkzeug-, Formen- und Schnittbau auszubauen.

Zunächst stellte Seul die Branche des Werkzeug- und Formenbaus vor: Der Werkzeug- und Formenbau sei eine zentrale Schlüsselindustrie für die industrielle Serienfertigung und in Deutschland traditionell stark mittelständisch geprägt. Sehr anschaulich demonstrierte Seul anhand mitgebrachter Bauteile aus der Automobil-, Medizin- und Elektrotechnikbranche die Bedeutung des Werkzeug- und Formenbaus sowie dessen enge Vernetzung mit der Industrie. Anhand der gezeigten Produktbeispiele wurde die wichtige Rolle der Branche innerhalb der Produktionstechnologien erläutert.


Schwerpunkte des Dialogs

  • Sensibilisierung für politische Unterstützung: Die Branche spricht sich für eine umfassende politische Flankierung aus, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dazu gehört insbesondere Hilfe bei der Internationalisierung, etwa durch Exportförderung, Marktinformationen, Messeprogramme und Handelsabkommen. Auch im Bereich Nachhaltigkeit solle die Politik weiterhin Anreize für umweltfreundliche Technologien schaffen, beispielsweise durch steuerliche Vorteile oder Investitionsförderungen.
  • Wesentlich seien zudem stärkere Impulse für Forschung und Entwicklung, etwa durch steuerliche Anreize, unbürokratische F&E‑Programme und eine bessere Absetzbarkeit von Entwicklungsaufwendungen. Im Kampf gegen den Fachkräftemangel seien Investitionen in Aus- und Weiterbildung erforderlich. Für den digitalen Wandel brauche es Förderprogramme zur Digitalisierung und zur Umsetzung von Industrie‑4.0‑Technologien.
  • Die Branche wirbt außerdem für eine finanzielle Unterstützung, etwa in Form von Bürgschaften, Förderdarlehen, Auftrags‑ und Warenkreditversicherungen sowie Zuschüssen für Digitalisierungs- und Automatisierungsprojekte. So sollen Liquidität, Vorfinanzierung und Investitionsfähigkeit mittelständischer Unternehmen gesichert werden.
  • Zentrale Unterstützungen betreffen zudem die Korrektur internationaler Wettbewerbsverzerrungen. Die Politik solle Anti‑Dumping‑Maßnahmen, faire Handelsabkommen und Ausgleichsmechanismen schaffen und nationale Mehrbelastungen durch Steuern, CO₂‑Kosten oder Sozialstandards kompensieren. Werkzeuge, die in Europa eingesetzt werden, sollten verpflichtend europäischen Qualitäts‑ und Umweltstandards entsprechen.
  • Auch ein wirksamer Abbau von Bürokratie wird verlangt: schnellere Genehmigungen, digitalisierte Prozesse und praxistaugliche Umweltauflagen. Gleichzeitig brauche es Anreize für ressourcenschonende Technologien.
  • Schließlich wirbt die Branche für einen besseren Schutz von Know-how und technologischer Führungsposition, etwa durch Ausnahmen bei Veröffentlichungspflichten in geförderten Forschungsprojekten sowie gesetzliche Leitplanken, die den Abfluss sensibler Fertigungstechnologien ins Ausland verhindern.
  • Nachdem die wesentlichen Herausforderungen und Erwartungen der Branche dargelegt waren, öffnete sich das Gespräch für die Einschätzungen der Ministeriumsvertretungen, die die Impulse aufnahmen und aus ihrer Perspektive bewerteten.


«Sie sind die Ermöglicher» fasste Dr. Henning Wins zusammen. Er betonte, dass es vor allem entscheidend sei, die Wertschöpfung in Deutschland zu sichern und das vorhandene Know-how sowie die handwerklich-technischen Kompetenzen der Branche zu erhalten. Wichtig sei, diejenigen Trends zu identifizieren und zu unterstützen, die einen realen Mehrwert bieten. «Wir müssen wissen, wohin sich Ihre Unternehmen bewegen, um bottom-up Impulse in unsere vielfältigen Arbeitsprozesse einfließen lassen zu können.»

Marion Lemgau, die seit rund zehn Jahren im Bereich der Mittelstandspolitik verantwortlich ist, zeigte Verständnis für die vorgebrachten Forderungen. Sie ging direkt auf die angesprochenen Punkte ein und betonte, dass sich ihr Haus für eine Gesetzgebung einsetze, die konsequent aus der Perspektive kleiner und mittlerer Unternehmen gedacht sei. Dazu gehöre auch, Förderinstrumente so bürokratiearm wie möglich zu gestalten. Sie erläuterte, wie wichtig der direkte Austausch mit Unternehmen für die Arbeit der gesamten Mittelstandsabteilung sei. So organisiere ihr Team auch verschiedene Dialogformate und Reisen für die BMWE-Leitung, um mit mittelständischen Unternehmen ins Gespräch zu kommen. Als Referatsleiterin verstehe sie sich selbst als Vermittlerin zwischen Mittelstand, BMWE und Politik: «Die Bandbreite der politischen Themen ist enorm; und vieles davon gebe ich weiter.»

In der Tat ist das Aufgabenspektrum der Mittelstandsabteilung im BMWE sehr breit. Es reicht etwa von handwerkspolitischen Anliegen und Fragen zum Bürokratieabbau über die Berufsbildung und kontinuierliche Modernisierung der Aus- und Fortbildungsordnungen bis hin zur Mittelstandsfinanzierung. Um das Förderangebot adressaten- und bedarfsgerecht zu halten, wird es regelmäßig weiterentwickelt. Dabei nimmt die Mittelstandsabteilung alle Finanzierungsphasen in den Blick – Gründung, Wachstum und Expansion ebenso wie die Unternehmensübergabe.

Benedikt Langner erläuterte, dass sein Referat im Bereich Zollpolitik und Handel die nationale Zuständigkeit für handelspolitische Instrumente der EU habe. Dazu gehörten Instrumente wie Anti‑Dumping-/Anti-Subventions-Verfahren sowie Schutzmaßnahmen (Safeguards). Grundsätzlich verfolge man eine offene und regelbasierte Handelspolitik. Sofern die Bedingungen für den Einsatz dieser WTO-kompatiblen handelspolitischen Instrumente gegeben sind, betrachte man stets die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen und strebe eine ausgewogene, gut austarierte Lösung an. In diesem Zusammenhang fragte er nach der Bedeutung von Stahl für die Branche. Auf EU-Ebene werde derzeit ein neues Instrument im Stahlbereich beraten.

Prof. Seul betonte in seiner Antwort, dass Stahl für den Werkzeug- und Formenbau eine zentrale Rolle spiele – sowohl wirtschaftlich als auch technologisch. Der Kostenunterschied sei erheblich: Für den Preis, zu dem ein deutscher Werkzeugmacher allein den Rohstoff Stahl einkaufe, verkaufe ein chinesischer Wettbewerber bereits ein vollständiges Werkzeug. Das unterstreiche die Relevanz handelspolitischer Maßnahmen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen.


Ausblick und weitere Vorgehensweise
Alle sechs anwesenden Vertreterinnen und Vertreter des Ministeriums zeigten großes Interesse an den vorgestellten Themen und Herausforderungen des Werkzeug- und Formenbaus sowie Offenheit zur weiteren Zusammenarbeit. Es sei sehr zu begrüßen, dass die Brancheninteressen durch die Verbandsarbeit gebündelt und aktiv kommuniziert werden.

 



Von links: Dr. Michael Zibrowius, Referent Europäische Industriepolitik; Dr. Henning Wins (Referatsleiter Investitionsgüterindustrie, Konsumgüterindustrie, Investitionsprüfungen); Marion Lemgau (Referatsleiterin Grundsatzfragen der nationalen und europäischen Mittelstandspolitik); Stephan Berz (President ISTMA Europe); Benedikt Langner (Regierungsdirektor Referat Spezielle Handelspolitik (EU/WTO), Zollpolitik, Handelspolitische Instrumente); Stephan Hoffmann (Geschäftsführer Formconsult Werkzeugbau); Thomas Frisch (Referatsleiter Fahrzeugindustrie); Prof. Thomas Seul (Präsident des VDWF); Peter Habich (Referent Luftfahrt, Abteilung Industriepolitik)