VDWF trifft Politik: Werkzeugmacher im Gespräch mit Tobias Winkler

Im November lud der VDWF den Bundestagsabgeordneten Tobias Winkler zu einem Austausch bei Hoefer & Sohn in Fürth ein. Der Besuch begann mit einem Betriebsrundgang, bevor die Vertreter der Branche die aktuelle Lage des Werkzeug- und Formenbaus schilderten.

Jens Lüdtke, Vorstand Tebis, machte deutlich: Globale Entwicklungen wie Zölle, politische Unsicherheiten, gestörte Lieferketten und steigende Energiepreise belasten die Unternehmen erheblich. Hinzu kommt ein massiver Preisverfall – seit Anfang der 2000er Jahre sind die Werkzeugpreise um rund 50 Prozent gesunken, während die Kosten gestiegen sind. Die Folge: schwindende Renditen und eine angespannte Liquiditätssituation, insbesondere für die vielen kleinen und mittelständischen Betriebe. Ein zentrales Problem ist die schlechte Zahlungsmoral großer Auftraggeber: Werkzeuge werden teils erst Jahre nach Lieferung bezahlt.

Auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit war Thema. Hoefer & Sohn-Geschäftsführer Christoph Badock betonte, dass China inzwischen qualitativ auf Augenhöhe produziert – zu Preisen, die in Deutschland kaum darstellbar sind. «Für den Preis, den wir hier für den Stahl bezahlen, wird in China das komplette Werkzeug gefertigt.»

Lüdtke forderte ein stärkeres politisches Sprachrohr für die Branche: «Wir sind weltweit Technologieführer im Werkzeugbau, doch wir drohen diese Pole-Position zu verlieren. Es braucht Initiativen, die uns auch in der Bundespolitik Gehör verschaffen.» Dabei sei es wichtig, europäisch zu denken – denn die Herausforderungen seien international. Christoph Badock warnte: «Wenn der Formenbau ins Ausland abwandert, geht auch die Produktion in Deutschland verloren. An uns hängt die gesamte Wertschöpfung.» Jens Lüdtke verwies abschließend auf China, wo die Bedeutung des Werkzeug- und Formenbaus längst erkannt ist – dort existiert sogar ein eigenes Ministerium für die Branche, das die Betriebe gezielt fördert und subventioniert.

Tobias Winkler betonte, dass er in seinem Wahlkreis und darüber hinaus in engem Austausch mit vielen Unternehmen steht und die geschilderte Lage der Branche sehr gut nachvollziehen kann. «Nicht nur die aktuelle Situation des Werkzeug- und Formenbaus zeigt: Für Deutschlands Unternehmen und Betriebe ist es fünf vor zwölf», sagte er. Neben Fachkräftemangel, Bürokratie, Finanzierungsmöglichkeiten sowie Energie- und Personalkosten sorgt die allgemeine wirtschaftliche Lage mit einer Rezession im dritten Jahr in Folge für Absatzprobleme. Auch um die Reduzierung von Abhängigkeiten muss sich die Politik kümmern. Als Außenpolitiker verwies er beispielsweise auf die Versorgung mit Seltenen Erden für Hochtechnologieanwendungen, bei der inzwischen nahezu alle Länder der Welt zwischen 90 bis 100 Prozent von China abhängig wären.

Winkler machte deutlich, dass es die Aufgabe der Politik sei, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Branchen wie der Werkzeugbau zukunftsfähig bleiben. In der mittelständisch geprägten Schlüsselbranche bringe jede Betriebsschließung oder -verlagerung einen massiven Know-how-Verlust mit sich und erhöhe unsere Abhängigkeit. Persönlich sei es ihm wichtig, zuzuhören und bei Unternehmensbesuchen sein Verständnis für die Herausforderungen zu vertiefen. In vielen Bereichen gebe es kein Erkenntnisproblem, aber das Umsteuern auf nationaler und europäischer Ebene erfordere Zeit, die wir kaum mehr haben. Viele Prozesse ähnelten einem großen Tanker auf hoher See, der nur langsam den Kurs ändern könne. Wettbewerbsfähigkeit habe für ihn aber oberste Priorität: «Auf Nachhaltigkeit zu setzen ist wichtig und richtig, aber ohne eine starke Wirtschaft können wir uns weder Klimaschutz noch Sicherheit oder unseren Sozialstaat leisten. Zuerst müssen wir Arbeitsplätze sichern, bevor wir sie schützen», so Winkler. «Wir erreichen aber keines unserer Ziele, wenn die Wirtschaft nicht läuft.»

Das Gespräch in Fürth machte deutlich: Nur durch einen engen Schulterschluss von Politik und Werkzeugbau lassen sich die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen, um die Branche langfristig wettbewerbsfähig und zukunftsfähig zu halten.