Sonja Pongratz erhält Dr.-Richard-Escales-Preis. Ab dieser siebten Auflage trägt der VDWF die Auszeichnung gemeinsam mit dem Carl Hanser Verlag.

Am ersten Messeabend der K in Düsseldorf wurde zum siebten Mal der Dr.-Richard-Escales-Preis verliehen – nun erstmals an eine Frau. Für ihre Verdienste „um die kontinuierliche Vermittlung von Fachwissen zur Beständigkeit von Kunststoffen“, wie es in der Begründung der Jury hieß, erhielt Prof. Dr. Sonja Pongratz am 19. Oktober 2016 vor rund 100 geladenen Gästen den Dr.-Richard-Escales-Preis 2016.

Die Chemieingenieurin ist bei Volkswagen in Wolfsburg in leitender Position auf dem Gebiet der Werkstoff-, Emissions- und Schadensanalyse tätig. Ihre Dissertation aus dem Jahr 2000 mit dem Titel „Alterung von Kunststoffen während der Verarbeitung und im Gebrauch“ ist in der Datenbank auf www.kunststoffe.de ein Dauerbrenner. Ihre Promotion hat Pongratz im Jahr 2000 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg mit Auszeichnung abgeschlossen und für ihre Habilitation 2005 mehrere Auszeichnungen erhalten.

„Auf den Escales-Preis bin ich jedoch besonders stolz“, sagt Sonja Pongratz über die Würdigung ihrer Arbeit. Bei der Betrachtung von Beständigkeit und Alterung von Kunststoffen sei es leider immer noch so, dass man mit sehr viel Empirie und ganz wenig Voraussage arbeite. „Wenn wir simulieren und rechnen wollen, brauchen wir viele Randbedingungen, die wir jedoch meistens gar nicht kennen“, erklärt die Ingenieurin, die es auch besonders freut, die erste Frau in der Reihe der Preisträger zu sein. „Ich hoffe, dass mir noch weitere Kolleginnen folgen, da wir ganz tolle Frauen in der Kunststofftechnik haben! Diese Lanze muss ich jetzt einfach brechen“, so Pongratz.

In seiner Laudatio würdigte Dr. Karlhorst Klotz, Chefredakteur der Zeitschrift „Kunststoffe“, aber auch die Arbeit von Dr. Richard Escales (1863–1924), dem Namensgeber der Auszeichnung. Der Chemiker, Explosivstoff-Experte, Kosmopolit und Verleger hatte eine große Leidenschaft: die „Kunststoffe“. 1911 begründete er ein Fachmagazin unter diesem Titel, das als „Zeitschrift für Erzeugung und Verwendung veredelter oder chemisch hergestellter Stoffe“ dem Fachpublikum die Möglichkeiten des neuen Materials näherbringen sollte. „Wegweisend und bestimmend für den deutschen Sprachgebrauch war seine Wortschöpfung für den Titel“, so Klotz. Richard Escales prägte mit seiner Publikation das Wort „Kunststoff“ und benannte mit diesem bis heute gültigen Begriff die komplette Werkstoffklasse. In Erinnerung an ihn vergibt der Carl Hanser Verlag daher seit 1998 im Dreijahresrhythmus den Dr.-Richard-Escales-Preis.

Neu seit diesem Jahr ist, dass der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer an der Seite des Carl Hanser Verlags die Veranstaltung mitträgt. „Ich bin schon seit vielen Jahren immer wieder gerne hierher nach Düsseldorf zur Verleihung des Escales-Preises gekommen“, erklärt VDWF-Präsident Prof. Dr. Thomas Seul in seinem Grußwort. „Zur siebten Auflage war es uns ein Anliegen, nun auch Mitveranstalter des Empfanges zu sein, denn der Werkzeug- und Formenbau als das gestaltgebende Element von Kunststoffbauteilen, als die Schnittstelle zwischen Werkstoff und Form nimmt hier eine Schlüsselposition im Verarbeitungsprozess ein.“ Auf der anderen Seite ist für Thomas Seul der Escales-Preis ein wesentlicher Baustein, wenn es darum geht, für die „vielen tollen Leute im Bereich der Kunststoffverarbeitung und der Werkzeugtechnologie“ eine Plattform des Austauschs zu bieten. „Daher bin ich sehr froh, bei dieser traditionsreichen Veranstaltung mitwirken zu dürfen“, schloss Seul seine Ansprache bei der festlichen Preisverleihung in Düsseldorf ab.

Das Interview zur Preisverleihung von Prof. Dr. Thomas Seul mit Prof. Dr. Sonja Pongratz finden Sie hier:

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.youtube.com/eskales

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