Knock down the lockdown: Online-Bierprobe in der VDWF-«Spätschicht»

Wer sagt denn, dass der Lockdown nur Nachteile bringt? Vielleicht kommen dadurch Leute zusammen, die sich sonst nie getroffen hätten. Und wenn es nur online ist – sei’s drum! Zu solchen virusbedingten Synergieeffekten kam es am 30. April 2020, als der VDWF in seiner «Spätschicht» zur Online-Bierverkostung lud. Doch beginnen wir von vorn.

Ort: Schmalkalden, Thüringen. Datum: Finsterstes Corona-Zeitalter. Personen: Hendrik Schliewenz, Martin Reformat und Matthias Wenzel, Gründer der Braumanufaktur Schmalkalden. Eigentlich wollten die drei Unternehmer das fünfjährige Bestehen ihres Herzensprojekts amtlich feiern, nun verhagelte die Pandemie jegliche Perspektive auf ein würdiges Jubiläum. Selbst die Bierproben und die Braukurse mussten sie absagen. Die Stimmung war nicht auf dem Höhepunkt.

Szenenwechsel ins 350 Kilometer entfernte Schwendi, Baden-Württemberg, Hauptsitz des VDWF. Zeitpunkt: wie oben. Geschäftsführer Ralf Dürrwächter zerbricht sich den Kopf, wie er trotz der vielen ausgefallenen Veranstaltungen die Werkzeugmacher zusammenhalten kann. Jeden Werktag gibt es das Online-Seminar «11-Uhr-Loch» mit Fachvorträgen und Austausch. Für den eher geselligen Part hat er das zweiwöchentliche Abendformat «Spätschicht» ins Leben gerufen, denn: Ein bisschen Spaß muss sein – gerade jetzt. Dürrwächter ist auf der Suche nach einem besonderen Event für den nächsten Termin … Auftritt Thomas Seul, seines Zeichens Präsident des VDWF und Professor für Fertigungstechnik und Werkzeugkonstruktion sowie Prorektor und Vizepräsident für Forschung und Transfer an der Hochschule Schmalkalden. Er bringt die losen Enden zusammen: Warum nicht eine Online-Bierverkostung mit den Brauern aus Schmalkalden organisieren?

Nun geht alles ganz schnell. Die Macher der Braumanufaktur sind begeistert, ihre Laune hat sich spürbar verbessert. Der VDWF kündigt die Veranstaltung an, mit über 100 Teilnehmern ist sie binnen weniger Stunden ausgebucht. Damit am großen Abend alle flüssig sind, verschicken die Brauer Pakete mit den Sorten «Broihan» und «Mumme», «Rotbier» und «Hopfensud», außerdem eine neue Geschmacksrichtung zur «Geschmacksumfrage». – Exkurs: Leider kommen nicht alle Pakete an, weil die mitgelieferten Bügelverschluss-Adapter in den Braumanufaktur-Biergläsern verdächtig klappern und die Post voller Besorgnis manche Sendungen mit Schadensvermerk zurückschickt …

 

Ein bunter Abend

Zum vereinbarten «Spätschicht»-Termin am 30. April zeigten sich dann die schon oben angedeuteten Glück-im-Unglück-Vorteile des Coronafluchs. So leicht wäre eine so internationale Runde im echten Leben niemals zusammengekommen. Zum Anstich gab es eine launige Einführung des VDWF-Präsidenten Seul, in der er den Teilnehmern sein Verhältnis zum Bier nahebrachte und auch ein kurzes Grußwort von Stefan Verra, dem Körpersprache-Experten. Daraufhin begrüßt ISTMA-Präsident Bob Williamson die Probandenrunde mit warmen Worten. Der Präsident des internationalen Werkzeug- und Formenbau-Verbands ist aus Kapstadt, Südafrika, zugeschaltet. Beim «Cheers International» hält ISTMA-Generalsekretär Manuel Oliveira seinen tönernen Bierkrug in die Kamera: ein Geschenk des VDWF, als dessen Delegation 2019 bei seiner XXL-«voll wild»-Reise Portugal besuchte. Mit Jari Saaranen, Tim Galbraith und Ales Hancic prosteten sich Werkzeugmacher aus Finnland, Kanada und Slowenien zu.

Beim VDWF beschränken sich die Inhalte aber nie auf die Füllung der Gläser. So präsentierten Hendrik Schliewenz, Martin Reformat und Matthias Wenzel natürlich ihre Biermanufaktur und «Bierpaten» bewerteten detailliert jede verkostete Biersorte aus dem gelieferten Paket. Zwischen den einzelnen Verkostungen referierte beispielsweise der österreichische Getränkekisten-Spezialist René Haidlmair über die Entwicklung der «Bierkasterl», Stefan Zecha berichtete über die Herausforderungen der Mikro-Bearbeitung und von seinem 10-µm-Schaftfräser, mit dem es gelungen ist, ein Haar zu beschriften. Im Zuge der «Bier-Geschichten»-Serie weihte aber auch µ-tec-Geschäftsführer Michael Klink die Runde über die Geheimnisse des Heimbrauens ein, Fabian Diehr und Boris Gnaier von der Münchner Agentur wortundform zeigten verschiedene Flaschenverschlusssysteme aus ihrer Produktsammlung und zur Abrundung der Vorträge sprach Toolcraft-Gründer Bernd Krebs über die heilende Wirkung von Bier … Damit endeten die geplanten Programmpunkte, der gemeinsame Abend jedoch nahm noch seinen weiteren Lauf als Online-Stammtisch. Nach insgesamt vier Stunden fand diese «Spätschicht» zu ihrem glücklichen und bierseligen Ende.

Hier finden Sie den Bericht des «Freien Worts» über diese fröhliche Zusammenkunft!

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