Eröffnung des Polymer Training Centre (PTC) am KIMW – auch als neue VDWF-Außenstelle

Die Kunststoffwelt soll Lüdenscheid kennenlernen, damit es nicht länger heißt: «Where the hell ist Lüdenscheid?», erklärt Geschäftsführer Stefan Schmidt, der diesen Satz häufig höre, wenn er im In- und Ausland über das KIMW spricht. Er und sein Team haben nämlich einiges vor: Bei der offiziellen Eröffnung des neuen Polymer Training Centre (PTC) untermauerten sie den Anspruch, einer der Ideentreiber im Bereich Kunststoff für die Region zu sein. Immerhin kann das Institut bereits auf drei erfolgreiche Jahrzehnte zurückblicken. Nicht umsonst fiel daher die Eröffnung des neuen Ausbildungszentrums für die Kunststofftechnik, des Polymer Training Centre (PTC), auch auf den 30. Geburtstags des Instituts.

Ein Tag für die Rückschau und den Blick in die Zukunft. Matthias Poschmann, Vorsitzender des Trägervereins, erinnerte bei der feierlichen Veranstaltung an den Start vor 30 Jahren. Damals waren 30 Unternehmen als Mitglieder dabei. Inzwischen sind es über 300. Sie alle profitieren von der engen Verzahnung zwischen Forschung und Praxis unter dem Dach des Kunststoff-Instituts.

Als jüngste Entwicklungsinitiative umfasst das PTC ein Gesamtvolumen von 5,1 Mio. Euro, von denen allein 2,1 Mio. Euro in technische Ausstattungen geflossen sind – Schmidt zollte in seiner Rede auch den Maschinenherstellern großes Lob, dass sie das PTC mit der «Crème de la Crème der Spritzgießtechnik» ausgestattet hätten. Und Ministerialdirigent Karl-Uwe Bütof, Leiter der Abteilung Innovation und Märkte im NRW-Wirtschaftsministerium, stellt in seiner Laudatio dar, warum sein Ministerium das Projekt mit über 3 Mio. Euro gefördert hat: «Der innovative Ansatz dieser Ausbildungsstätte und seine enge Verzahnung mit der Industrie hat uns von Anfang an begeistert und wird einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Fachkräftemangel in der Kunststoffindustrie zu lindern.» Was er sehe, mache «große Lust auf Zukunft».

Bei der feierlichen Veranstaltung wurde das PTC auch seiner Bestimmung als überbetriebliche Bildungsstätte übergeben und trägt so als erstes Lehrzentrum in der gesamten Region im Bereich der Kunststofftechnik zur Verbesserung der Wissens-Infrastruktur bei. «Unternehmen können ihre Auszubildenden des Berufsbilds Verfahrensmechaniker Kunststoff und Kautschuk ganz oder teilweise in die Obhut des Kunststoff-Instituts geben», erklärt Projektleiter Torsten Urban stolz.

Somit kann das KIMW mit dem PTC sein Lehrangebot deutlich ausweiten, das auch überregional bei Hochschulen auf Interesse stößt. Bei der Kunststofftechnik könne das PTC mit den entsprechenden Praktika und Übungen insbesondere im chemischen Bereich mit einer intensiven und umfassenden praktischen Ausbildung aufwarten, so Schmidt. Das unterstreicht auch VDWF-Präsident Professor Thomas Seul, der sich in seiner Funktion als Prorektor für Transfer und Forschung der Hochschule Schmalkalden auf die neuen Chancen freut: «In Kombination mit der neuen Infrastruktur sehe ich da auch für uns als VDWF tolle gemeinsame Anknüpfungspunkte, die wir an der Hochschule in dieser Kompaktheit gar nicht abbilden können.» Diese Ergänzung, dieses Dreiergespann aus Verband, Institut und Hochschulbildung ist für die Branche in Deutschland viel wert und werde auch im Werkzeug- und Formenbau sehr gut ankommen. 

Außerdem löse der Neubau die bisherige räumliche Enge des Instituts auf. Das KIMW erhält eine zusätzliche Nutzfläche von 1965 m². Darin sind neben den Schulungs- und Pausenräumen 48 Büroarbeitsplätze, Labors für Materialprüfung, Schadensanalyse und Generative Verfahren sowie Schulungsräume, die je nach Materialtyp mit einer eigenen Spritzgießmaschine ausgestattet sind. Der direkte inhaltliche und räumliche Zusammenhang zwischen theoretischem Lernen und praktischem Erfahren ist zentrale Idee der neuen Struktur. Die weitere Ausgestaltung als internatsähnliches Angebot soll darüber hinaus nun bundesweit als Pilotprojekt starten.

All das schaffe optimale Voraussetzungen, die Aus- und Weiterbildung in der sich schnell verändernden Kunststoff­industrie auf das nächste Level zu heben. Denn angesichts steigender Ansprüche an den Werkstoff brauche man «Menschen, die das alles ermöglichen», erklärt Schmidt. Daher wird das KIMW zu seinem 30. Geburtstag auch offizielle Außenstelle des VDWF. «Das Thema Werkzeug- und Formenbau ist fest in der ­Region verankert, daher ist es auch für uns als Verband wichtig, hier die relevanten Themen mit voranzutreiben», sagt Seul und stellt die Agilität der rund 300 KIMW-Mitgliedsfirmen heraus: «Die geben hier seit 30 Jahren richtig Gas. Das ist für mich auch eine Art Bestätigung für die geplante Kooperations­erweiterung.»

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